Heiliger Sankt Thomas Morus

Wer war Thomas Morus?

Thomas Morus oder Thomas More (*07.02.1478 in London; †06.07.1535 in London) war Lordkanzler von England unter König Heinrich VIII. und hatte eine europäische Reputation als humanistischer Autor.

Sein bekanntestes Werk ist Utopia (erschienen 1516), in dem er ein erfundenes Inselkönigreich beschreibt, welches heutige Gelehrte als ein idealisiertes Gegenbild von Morus' zeitgenössischem Europa sehen. Andere Gelehrte sehen darin eine boshafte Satire des gleichen Europas. Desiderius Erasmus widmete ihm sein Lob der Torheit.

Thomas More kam aus eher einfachen Verhältnissen und studierte mit einem Stipendium Rechtswissenschaft. Er wurde ein erfolgreicher Rechtsanwalt. Mit 26 Jahren heiratete er, aus seiner ersten Ehe kamen vier Töchter und ein Sohn. Seine Frau starb mit 22 Jahren im Kindbett. Bald darauf ging er eine zweite Ehe ein, die kinderlos blieb.

Mit 31 Jahren wurde er Parlamentsmitglied. Der König wurde auf ihn aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1517, mit 39 Jahren trat er ganz in den Dienst des Königs. Er war ein entschiedener Gegner von Luther und half Heinrich VIII., eine Arbeit über ihn zu schreiben, die dem König den Titel "Verteidiger des Glaubens" eintrug. More's eigene Arbeit über Luther wurde europaweit gelesen.
1523 wurde er Parlamentssprecher und erhielt für seine Dienste den Ritterschlag. 1529 wurde er Lordkanzler, eine Position, die etwa der des heutigen Premierministers entspricht. Er galt als rechter und gelehrter Mann und als ausgezeichneter Administrator, der sämtliche hängigen Gerichtsfälle erledigte, etwas noch nie dagewesenes.

Im Privatleben engagierte sich More sehr für die Erziehung seiner Töchter, denen er die gleiche Bildung zukommen ließ wie seinem Sohn. Seine älteste Tochter Margaret Roper war eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Er war auch sehr freigebig, ernährte während einer Hungersnot Hunderte aus seiner eigenen Tasche und entließ seine Farmarbeiter nicht wegen mangelnder Arbeit.
Kardinal Thomas Wolsey, Erzbischof von York, schaffte es nicht, die Scheidung und Annullierung, die Heinrich gesucht hatte, herbeizuführen und musste 1529 zurücktreten. More wurde an seiner Stelle zum Kanzler ernannt, jedoch erkannte Heinrich offenbar nicht More's Widerstand in diesem Fall. Gut erzogen im Kirchenrecht und auch sehr religiös, wusste More, dass die Annullierung des Sakraments der Ehe ein Fall für die Gerichtsbarkeit des Papstes war und die Einstellung von Papst Klemens VII. war klar gegen eine Scheidung.

Heinrichs Reaktion darauf war, dass er sich selbst in das höchste Amt der Kirche in England einsetzte. Nur der Geistlichkeit wurde vorgeschrieben, den Suprematseid zu schwören und den Herrscher als Haupt dieser Kirche anzuerkennen. More, als ein Laie, brauchte diesen Eid nicht ablegen, aber er legte lieber am 16. Mai 1532 das Amt des Kanzlers nieder, als diesem neuen Regime zu dienen.
More konnte sich dem ersten Versuch noch entziehen, ihn mit verräterischen Machenschaften in Verbindung zu bringen, jedoch verabschiedete das Parlament 1534 den Act of Succession, der den Eid beinhaltete, der die Legitimität aller Kinder bestätigte, die Heinrich und Anne Boleyn geboren wurden; außerdem wies er jedwede fremde Autorität, ob Prinz oder Potentat zurück. Wie vorher schon der Suprematseid, war auch dieser nicht von der ganzen Bevölkerung zu leisten, sondern nur von denen, die dazu vorgeladen wurden, ihn zu leisten, also denen in öffentlichen Ämtern und denen, die unter Verdacht standen, Heinrich nicht zu unterstützen. More sollte diesen Eid im April 1535 ableisten, nach seiner Ablehnung wurde er jedoch im Tower von London eingekerkert. Er wurde geprüft, verurteilt und am 6. Juli im Tower Hill hingerichtet. Sein Kopf wurde einen Monat lang auf der London Bridge zur Schau gestellt und dann von seiner Tochter Margaret Roper für ein Bestechungsgeld heruntergeholt.     
More wurde 1935 als Heiliger in den Kanon der katholischen Kirche aufgenommen.

In Robert Bolts Stück „Ein Mann für jede Jahreszeit“ geht es um Sir Thomas' verlorenen Kampf gegen König Heinrichs Entschluss, England eine nationale Kirche zu geben, die er kontrollieren könnte. Zwei Filme wurden auf Grund dieses Stückes gedreht: ein Film von 1966 mit Paul Scofield, der einen Oscar gewann und eine Version von 1988 mit Charlton Heston.

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